Karl Schiestl
(1899- 1966)
Gletscher
(wahrscheinlich der Pasterze Gletscher am Großglockner)
Ölgemälde auf Leinwand
Maße: 128 x 108 cm
Maße mit Rahmen: 140 x 120 cm
unten links signiert und datiert (19)33
Biografie
Die Familie Schiestl kam um 1680 aus Sterzing in Südtirol, wo sie zu den wappenführenden Bürgergeschlechtern zählte, nach Baden. Auch der Maler Karl Hans Rudolf wurde in Baden am 23. Mai 1899 geboren und war, da er seinen Vater schon mit vier Jahren verlor, sehr bald auf sich allein gestellt. Nach der Kriegsmatura zog man ihn, kaum 17 Jahre alt, sofort als Einjährigen zum Kriegsdienst ein. Er kam zum Kaiserschützenregiment Nr. 3 als Artilleriebeobachter an die Front. Schon damals trat er im Kreise seiner Kameraden als Porträtist hervor und fand mit seinen Zeichnungen vielfach Anerkennung. Als Schiestl nach dem Zusammenbruch der Monarchie neunzehnjährig in seine Heimat zurückkehrte, versuchte er sich seiner inneren Berufung ganz zu widmen. Er studierte an der Kunstgewerbeschule bei den Professoren Witzmann und Cižek, besuchte die Meisterschule bei Prof. Löffler und war als ordentlicher Schüler an der Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Jettmar inskribiert. Nebenbei wandte er sich auch dem Philosophiestudium an der Wiener Universität zu. Die Verhältnisse zwangen ihn aber, einem gesicherten Erwerb nachzugehen. Anfangs benützte er seine Textilentwürfe nur für die Finanzierung seiner Studien, bald aber sollte ihn diese Tätigkeit beruflich völlig ausfüllen. Er leitete die Entwurfs-Zeichenabteilung bei der Textilfirma Trebitsch & Sohn und erzielte mit seinen Mustern vornehmlich für Krawatten in England, Amerika und Australien große Erfolge. Schließlich erhielt er sogar ein Angebot, als künstlerischer Leiter einer Textilfirma nach Lyon zu gehen, was er jedoch ablehnte. Überblicken wir kurz den Lebensweg Schiestls, dann sind wir von seiner Vielseitigkeit beeindruckt. Er sollte als Innenarchitekt nach Japan verpflichtet werden, arbeitete Bühnenbilder für den Film und hatte auch ein Angebot, als Pferdemaler in London tätig zu sein. Von ihm sind ferner zwei Patente für Webstuhl und Kartenschlagmaschine sowie für Kinolauffilm registriert.
Obwohl Schiestl schon vor dem zweiten Weltkrieg im Künstlerhaus und in der Wiener Secession einige Ausstellungen mit Werken beschickte, konnte er sich erst nach 1945 als freischaffender Maler der Kunst widmen. Mit Prof. Josef Müllner veranstaltete er in seinem Badener Heim die erste Ausstellung und war bei der Neugründung des Kunstvereines seiner Heimatstadt führend. Gemeinsam mit seinen Kollegen stellte er dann 1954 zum ersten Mal im Niederösterreichischen Landesmuseum aus. In den folgenden Jahren wurde Karl Schiestl immer mehr bekannt. Neben Textilentwürfen für künstlerisch gestaltete Wiener Geschenktücher erreichten ihn Bildaufträge aus Amerika und Johannesburg. Er stellte bei den jährlichen Ausstellungen des Landesverbandes der NÖ. Kunstvereine aus, arbeitete für die Donaukraftwerke A. G., für die er eine Serie von Bildern über die Entstehung des Kraftwerkes von Ybbs-Persen.
Foto Hinweis: Der Hintergrund des Fotos, in dem das Gemälde an der Wand präsentiert wird, ist teilweise mithilfe von KI gestaltet.